Nikotinfalle

Nikotinabusus - Der Missbrauch von Nikotin

Nikotinabusus auf dem Balkon

 

Etwa ein Drittel aller Erwachsenen in Deutschland sind Raucher, was in Zahlen ausgedrückt etwa 20 Millionen Menschen entspricht.

 

Knapp die Hälfte von ihnen möchte am liebsten aufhören, wovon die Beweggründe von Individuum zu Individuum verschieden sind.

 

Während die eine Person durch den Rauchstopp mehr Geld ansparen möchte, steht für die andere Person der Gewinn an Gesundheit im Vordergrund.

 

Doch eines haben sie so gut wie alle gemeinsam: Anfängliche Versuche, das Rauchen ein für alle Mal zu beenden, schlagen allesamt fehl. Solltest du schon über längere Zeit rauchen, kennst du dieses Szenario bestimmt nur zu gut.

 

Doch wie kommt es, dass die Zigaretten eine so große Macht auf dich ausüben können?

 

Der Grund lautet: Nikotinabusus

 

 

Was ist ein Nikotinabusus?

Der Begriff Nikotinabusus setzt sich aus zwei Wörtern zusammen. Nikotin bezieht sich auf den suchterzeugenden Stoff in der Zigarette und Abusus bedeutet so viel wie "Missbrauch" beziehungsweise "schädlicher Gebrauch".

 

Viele glauben, man müsse erst eine große Menge an Zigaretten konsumieren, um von einem Missbrauch sprechen zu können. Gelegentlich wird sogar der Konsum von Schnupftabak und das Paffen von Zigaretten heruntergespielt.

 

Wenn man es genau nehmen möchte, ist, allein wegen des sehr hohen Abhängigkeitspotenzials des Nikotins, jeglicher Gebrauch als Missbrauch anzusehen.

 

Doch beim offiziellen Nikotinabusus findet ein Missbrauch erst dann statt, wenn zur Befriedigung der eigenen Sucht Nikotin verwendet wird. Beim vereinzelten Nikotingenuss oder Passivrauchen kann noch nicht von Nikotinabusus die Rede sein.

 

Es gilt: Je regelmäßiger man raucht, desto höher ist die Chance auf ein Nikotinabusus.

 

Immer größere Mengen an Nikotin werden notwendig sein, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Man entwickelt eine Toleranz und raucht immer mehr Zigaretten. Das klassische Prinzip der Sucht.

 

Junge Frau raucht eine Zigarette

Was also in der medizinischen Sprache gemeinhin als Nikotinabusus bezeichnet wird, ist umgangssprachlich nichts anderes als eine Nikotinsucht.

 

In den relevanten diagnostischen Klassifikationssystemen ICD-10 (Internationale Klassifikation von Krankheiten) und DSM-IV (Diagnostische und Statistische Manual) wird das abhängige Rauchen sogar offiziell als Krankheit anerkannt.

 

Während das DSM-IV international Verwendung findet, ist das ICD-10 speziell in Deutschland gebräuchlich.

 

Bei der Krankheit spricht man von einer Nikotin- beziehungsweise Tabakabhängigkeit.

 

Die Bezeichnung "Nikotinabhängigkeit" wird in diesem Kontext hingegen nur ungern verwendet, da, um eine Tabakabhängigkeit zu erzeugen, mehr benötigt wird als ein einzelner Stoff. 

 

Der Gedanke liegt zwar nahe, das Nikotin allein für die Suchtentwicklung verantwortlich sei, doch das ist eben nur die halbe Wahrheit.

 

Man sollte das Rauchen vielmehr als komplexes Zusammenspiel von körperlichen und psychologischen Faktoren betrachten.

 

Neben dem Nikotin können erwiesenermaßen zugegebene Zusatzstoffe wie Ammonium und Zucker die Zigarettensucht aufrechterhalten. Erlernte Rituale, wie zum Beispiel das Rauchen nach dem Essen, können die Abhängigkeit zudem verstärken.

 

Die ICD-10 klassifiziert das abhängige Rauchen als "Psychische und Verhaltensstörung durch psychotrope Substanzen". Kein Begriff, der leicht über die Zunge geht.

 

Im weiteren Verlauf des Blog-Artikels werde ich auf diese sperrige Bezeichnung verzichten und sie einfach durch "Sucht" oder "Abhängigkeit" ersetzen.

 

 

Symptome einer Nikotinsucht

Wer von der Zigarette abhängig ist, verliert sehr schnell die Kontrolle über sein Konsumverhalten.

 

Die Symptome werden dabei meist erst bemerkt, wenn man versucht seinen Konsum zu kontrollieren oder einen Aufhörversuch startet. Man ist nicht mehr Herr seiner selbst, sondern ein Sklave der Sucht.

 

Damit die Diagnose Tabakabhängigkeit gestellt werden kann, müssen in den letzten 12 Monaten mindestens 3 der folgenden Kriterien erfüllt worden sein. Diese Kriterien entsprechen der Klassifikation nach ICD-10.

 

1. Du hast das starke Verlangen beziehungsweise den Zwang, Tabak zu konsumieren.

 

2. Du hast eine verminderte Kontrolle über deinen Tabakgebrauch. Ebenso hast du einen erfolglosen Versuch hinter dir beziehungsweise den anhaltenden Wunsch, den Gebrauch zu verringern und/ oder zu kontrollieren.

 

3. Du leidest an einem körperlichen Entzugssyndrom beim Verringern oder Absetzen des Tabaks.

 

4. Du hast eine Toleranzentwicklung aufgebaut.

 

5. Zugunsten des Tabaks hast du Interessen oder Vergnügen vernachlässigt.

 

6. Du gebrauchst weiterhin Tabak, obwohl dir die schädlichen Folgen bewusst sind.

 

Bedenke, dass bei manchen Menschen der Nikotinabusus früher eintritt als bei anderen. Sollten bestimmte Anzeichen auf dich zutreffen, solltest du so schnell wie möglich Gegenmaßnahmen ergreifen.

 

Am Ende erfährst du, welche Möglichkeiten dir zur Verfügung stehen, um endlich Nichtraucher zu werden.

 

 

Die Folgen einer Nikotinabhängigkeit

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Tabakrauch der Gesundheit massiv zusetzt. Die Vielfalt an schrecklichen Erkrankungen, die sich entwickeln können, ist enorm. Ebenso ist die Lebensqualität eines Rauchers stark eingeschränkt.

 

Raucher sterben nachweislich 7-10 Jahre früher. Dabei sollte vor allem das Augenmerk auf die 4800 Chemikalien im Tabakrauch gerichtet werden, wovon stolze 90 nachweislich krebserregend sind.

 

Zigarettenasche formt ein Herz

Jeder zehnte Raucher erkrankt an Lungenkrebs.

 

Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs und Mundhöhlenkrebs wären weitere Beispiele, um nur wenige zu nennen.

 

Als Raucher hast du ebenso gute Aussichten auf schwerwiegende Durchblutungsstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vieles mehr.

 

Bevor diese Langzeitfolgen eintreten, ist es aber auch nicht sonderlich schön.

 

Man ist viel anfälliger für Krankheiten, man stinkt wie ein Aschenbecher, an körperlicher Anstrengung ist nicht zu denken und durch die Kontrollabgabe an die Sucht verlieren viele Menschen jegliches Gefühl der Selbstachtung.

 

Als ich nach jahrelanger Qualmerei endlich aufgehört hatte, konnte ich beispielsweise kaum glauben, was mit dem Geschmackssinn passiert ist. Plötzlich hatten alltägliche Lebensmittel paradiesisch geschmeckt. Und das nach nur kurzer Zeit Raucherentwöhnung.

 

Nikotinabusus ist eine Suchterkrankung und sollte auch als solche erkannt werden. Viele Einbußen, welche man durch das Rauchen in Kauf nimmt, werden nicht einmal als solche erkannt, da sie zur Gewohnheit werden und man lernt, sie zu akzeptieren.

 

 

Der Frageström-Test

Mit dem bewährten Frageström-Test hast du die Möglichkeit den Schweregrad deiner Nikotinsucht herauszufinden. Dieses weltweit anerkannte Verfahren besteht aus 6 Fragen. Für jede beantwortete Frage erhältst du eine bestimmte Anzahl an Punkten.

 

Nachdem du alle Fragen beantwortest hast und die Punkte miteinander addierst, kannst du bei der Auswertung den Schweregrad der Sucht einsehen.

 

1. Wann nach dem Aufstehen rauchen Sie Ihre erste Zigarette?

  • nach 5 Minuten (3 Punkte)

 

  • nach 6 - 30 Minuten (2 Punkte)

 

  • nach 31 - 60 Minuten (1 Punkt)

 

  • nach mehr als 60 Minuten (0 Punkte)

 

2. Finden Sie es schwierig, an Orten, wo das Rauchen verboten ist, das Rauchen zu unterlassen?

  • ja (1 Punkt)

 

  • nein (0 Punkte)

 

3. Auf welche Zigarette würden Sie nicht verzichten wollen?

  • die erste am Morgen (1 Punkt)

 

  • andere (0 Punkte)

 

4. Wie viele Zigaretten rauchen Sie im Allgemeinen pro Tag?

  • 31 und mehr (3 Punkte)

 

  • 21 - 30 (2 Punkte)

 

  • 11 - 20 (1 Punkt)

 

  • bis 10 (0 Punkte)

 

5. Rauchen Sie am Morgen im Allgemeinen mehr als am Rest des Tages?

  • ja (1 Punkt)

 

  • nein (0 Punkte)

 

6. Kommt es vor, dass Sie rauchen, wenn Sie krank sind und tagsüber im Bett bleiben müssen?

  • ja (1 Punkt)

 

  • nein (0 Punkte)

 

Auswertung des Frageström-Tests

Die Gesamtpunktzahl liefert eine zuverlässige Einschätzung der Stärke der Tabakabhängigkeit.

 

0 - 2 Punkte sprechen für eine geringe körperliche Abhängigkeit.

3 - 4 Punkte sprechen für eine mittlere körperliche Abhängigkeit.

5 - 6 Punkte sprechen für eine starke körperliche Abhängigkeit.

7 - 10 Punkte sprechen für eine sehr starke Abhängigkeit.

 

 

Therapieformen

Wer den Entschluss fasst, mit dem Rauchen aufzuhören, dem steht eine große Bandbreite an verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

 

Therapie Sitzung

Allerdings haben sie alle gemeinsam, dass die anfallenden Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Die Tabakabhängigkeit wird nämlich nicht als eigenständige Krankheit anerkannt, sondern gilt als sogenanntes selbst-schädigendes Verhalten.

 

Doch wer es tatsächlich schaffen sollte, das Rauchen durch eine der folgenden Therapieformen aufzugeben, der spart langfristig das Geld für teure Zigaretten. Hier sind die Therapieformen gegen das Rauchen:

 

Psychotherapie

Die Psychotherapie ist ein guter Ansatz, wenn es darum geht, der Raucherei den Garaus zu machen. Dabei ist dieser Begriff sehr vielschichtig.

 

Es besteht beispielsweise die Möglichkeit, eine Suchtberatungsstelle in deiner Nähe aufzusuchen.

 

Ebenso könntest du, falls bei dir im Umkreis vorhanden, Selbsthilfegruppen beitreten oder dich mit einem Arzt austauschen, der eine gezielte und effektive Verhaltenstherapie einleiten kann.

 

Der ganz klare Vorteil dieser Behandlungsform: die individuelle Auseinandersetzung mit dem Menschen steht im Vordergrund. Wer an einer Gruppentherapie teilnimmt, profitiert zudem vom heilsamen Austausch mit anderen Leidensgenossen.

 

Wer eine Verhaltenstherapie in Anspruch nimmt, kann die psychische Abhängigkeit einer Zigarette eliminieren.

 

Gedankliche Verknüpfungen, beispielsweise die Zigarette nach dem Essen oder bei Stress, werden sich mit entsprechenden Techniken in Luft auflösen. Dein Raucherverlangen wird zunehmend schwinden, bis es letztlich den Nullpunkt erreicht.

 

Dir ist sicherlich bekannt, dass Körper und Psyche eine Einheit bilden. Wer sich also von der psychischen Sucht befreien kann, der löst sich auch von der körperlichen.

 

Der berühmt berüchtigte Nikotinentzug wird nach einer erfolgreichen verhaltenstherapeutischen Behandlung nicht mehr der Rede wert sein.

 

Diese Form der Therapie kann ich dir empfehlen, da sie viele erfolgversprechenden Eigenschaften besitzt, die es zum Rauchstopp bedarf. Eine noch bessere Möglichkeit möchte ich dir später in diesem Artikel vorstellen.

 

Nikotinersatztherapie und Pharmakotherapie

Bei der Nikotinersatztherapie wird der süchtig machende Stoff Nikotin via Nikotinpflaster, Nikotinspray, Nikotinkaugummis etc. zugeführt.

 

Auf das Rauchen wird während dieser Zeit ganz verzichtet, was in Bezug auf die Gesundheit einige Vorteile mit sich bringt. Schließlich wird der Tabakrauch und die darin enthaltenen hochgiftigen Inhaltsstoffe nicht inhaliert.

 

Das Prinzip dieser Therapieform besteht darin, die Nikotinmenge schrittweise zu reduzieren und körperliche Entzugserscheinungen abzumildern.

 

Meiner Ansicht nach ist die Nikotinersatztherapie zu einseitig. Während nämlich versucht wird, die körperliche Abhängigkeit zu überwinden, wird der Psyche keine Beachtung geschenkt.

 

Doch gerade das Ändern der eigenen inneren Einstellung und des Verhaltens ist für eine erfolgreiche Raucherentwöhnung von großer Bedeutung.

 

Des Weiteren gibt es noch 2 rezeptpflichtige Medikamente zur Raucherentwöhnung: Zyban und Champix.

 

Zwar können sie die Entzugserscheinungen erheblich lindern, jedoch wird bei alleiniger Einnahme, wie auch bei der Nikotinersatztherapie, die psychische Sucht komplett außer Acht gelassen.

 

Akupunktur und Hypnose

Bei diesen zwei Therapiemöglichkeiten handelt es sich um Alternativen, die von der medizinischen Fachgesellschaft in Bezug auf den Rauchstopp nicht empfohlen wird.

 

Frau unterzieht sich einer Akupunktur Therapie

Während man bei der Akupunktur Nadeln in die sogenannten "Antisucht-Punkte" setzt, um die Entzugserscheinungen zu lindern, setzt die Hypnose auf Suggestionen und Entspannung. Ob es wirklich was bringt, ist nicht bewiesen. Positiv an der Hypnose ist jedoch, dass sie im Gegensatz zu fast allen anderen Therapiemöglichkeiten auf die psychische Komponente setzt.

 

Seminare, Bücher und (Online-) Programme

Das ist meines Erachtens die beste Möglichkeit, um ein für alle Mal mit dem Rauchen aufzuhören. Doch warum ist das so? 

 

Ganz einfach: Es ist eine ganzheitliche Therapie, da du dich mit der körperlichen als auch psychischen Sucht auseinandersetzt.

 

Du bekommst eine Schritt-für-Schritt-Anleitung an die Hand, mit der du deine Chancen auf einen erfolgreichen Rauchstopp um ein Vielfaches erhöhen kannst.

 

Nichtraucher-Programme, Seminare und Bücher haben den glasklaren Vorteil, dass sie von Leuten gehalten/verfasst werden, die den Leidensweg selbst durchgemacht haben und genau wissen wie man erfolgreich aufhört.

 

Du ersparst dir somit kräftezerrende Rückschläge und unnötiges Leiden, da du erfolgversprechende und bewährte Strategien entwickelst, die dich zielgerichtet zum Nichtraucher-Erfolg führen.

 

 

Fazit

Wer in die Nikotinfalle getappt ist, hat es in der Regel schwer wieder heraus zu finden. Statistiken zeigen, dass oftmals sehr viele Versuche und zermürbende Fehlschläge notwendig sind, um sich von ihr dauerhaft zu befreien.

 

Wie du in diesem Artikel erfahren konntest, ist der Nikotinabusus nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte, sondern vielmehr eine ernstzunehmende Suchterkrankung mit fatalen Folgen.

 

Wer die typischen Symptome einer Nikotinsucht bei sich erkennt, sollte so schnell wie möglich ins Handeln kommen. Nimm professionelle Hilfe von anderen an, denn das beschleunigt und sichert dir deinen ewig währenden Nichtraucher-Erfolg.

 

Vielleicht hast du ja Menschen in deinem Umfeld, die sich bereits erfolgreich aus der Sucht befreien konnten. Suche das Gespräch mit ihnen. Bei bestehendem Nikotinabusus ist das Wichtigste, ins Handeln zu kommen.

 

Trete deinem Glück also aktiv entgegen und sage dem Nikotin den Kampf an.