Nikotinfalle

Raucherbein - Die schreckliche Gefahr des Rauchens

Giftiger Rauch einer Zigarette

 

Jedes Jahr sterben allein in Deutschland über 120.000 Menschen an den Folgen des Nikotinkonsums.

 

Die Chance ein Raucherbein zu bekommen, ist eines von vielen Risiken, die man als Raucher in Kauf nehmen muss. Seltener erkranken aber auch Nichtraucher daran.

 

 

Was ist ein Raucherbein überhaupt?

Das Raucherbein ist eine volkstümliche Bezeichnung für die sogenannte periphere arterielle Verschlusskrankheit (kurz: pAVK). Die Ursache dieser Erkrankung ist fast immer eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose), welche vor allem in den Beinen und seltener in den Armen vorkommt.

 

Die durch die Arteriosklerose gebildeten Einengungen in den Arterien behindern die Durchblutung der Muskeln, der Oberhaut-, sowie des Unterhautgewebes. Es entsteht ein Nährstoff- und Sauerstoffmangel im Gewebe. Im allerschlimmsten Fall ist die Durchblutung sogar völlig unterbunden.

 

Gerade bei einer Belastung der Beine, beispielsweise bei einem Spaziergang, wird viel Sauerstoff benötigt. Falls der Körper diesen wegen Verengung der Arterien nicht oder nur eingeschränkt transportieren kann, sind Schmerzen keine Seltenheit.

 

Man spricht von einem Raucherbein, da die Auswirkungen von pAVK oft erst am Bein sichtbar sind und das Rauchen Risikofaktor Nr. 1 für diese Erkrankung ist. 9 von 10 pAVK-Fälle haben ein Raucherbein.

 

Auch den umgangssprachlichen Begriff "Schaufensterkrankheit" (claudicatio intermittens) hört man als Synonym immer häufiger. Er rührt daher, dass Betroffene Menschen beim Laufen wie Schaufensterbummler häufiger anhalten. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei dieser Erkrankung jedoch um alles andere als eine frewiliige Entscheidung.

 

Mehr als 5% aller in Deutschland lebenden Menschen leiden unter pAVK. Laut Statistik trifft es Männer ein wenig häufiger als Frauen.

 

Nicht selten erleiden Patienten zusätzlich noch weitere chronische Erkrankungen, wie beispielsweise Bluthochdruck und Diabetes.

 

Wenn die Arteriosklerose mehrere Gefäße betreffen sollte, können auch noch weitere Erkrankungen wie beispielsweise Blutflussstörungen im Gehirn, Schlaganfall, Koronare Herzkrankheit (KHK) oder Herzinfarkt auftreten.

 

 

Die pAVK Ursachen

Wie schon erwähnt, ist das Rauchen der Hauptrisikofaktor und sollte so schnell wie möglich aus dem Leben verbannt werden.

 

Die Gefahr des Rauchens liegt in der Aufnahme von unzähligen Giftstoffen begründet. Diese schädigen die Gefäße und verdicken das Blut. Diverse Schadstoffe führen zudem zu Entzündungsreaktionen an der Gefäßwand.

 

Zigaretten in einem Aschenbecher

Durch das Zellgift Nikotin wird der Fettstoffwechsel gestört, wodurch Kalk- und Fettablagerungen begünstigt werden.

 

Man wird mit der Zeit nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt, wodurch die Wahrscheinlichkeit ansteigt, an paVK zu erkranken.

 

Wenn man es genau nehmen möchte, kann der Begriff "Raucherbein" irreführend sein, da seltener auch Nichtraucher an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit erkranken können.

 

Übergewicht, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, Herzkreislauferkrankungen, hohes Alter und ein gestörter Fettstoffwechsel sind einige Risikofaktoren und können die Verkalkung der Gefäße ebenso begünstigen.

 

 

Die pAVK Symptome

Das Tückische an der ganzen Sache ist die Tatsache, dass sich die Krankheit schleichend entwickelt.

 

Oftmals verkraftet das Körpergewebe eine schlechtere Versorgung des Blutes, wodurch die typischen Raucherbein-Symptome nicht oder nur sehr schwach auftreten. Falls sie auftreten, dann in der betroffenen Körperregion.

 

Die 4 pAVK Stadien

Die Symptome werden von der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (Gefäßmedizin) in 4 pAVK Stadien gegliedert:

 

Stadium 1:

Die Gefäßverengung ist nur schwach ausgeprägt und der Betroffene ist symptomarm bis symptomfrei. Arterienverschlüsse könnten theoretisch nachgewiesen werden, was in der Regel jedoch nicht gemacht wird, da ja kein Verdacht besteht.

 

Stadium 2:

Bei Belastung treten Muskelschmerzen auf. Wenn man eine Ruhepause einlegt, erholt sich der Blutfluss und die Schmerzen verschwinden allmählich.

 

Bei Stadium 2a kann man mindestens 200 Meter gehen, bevor spürbare Schmerzen eintreten.

 

Bei 2b spürt man diese innerhalb der 200 Meter Wegstrecke.

 

Stadium 3:

Hier treten auch ohne körperliche Belastung Schmerzen auf. Besonders häufig geschieht dies im Liegen, da die Durchblutung der Beine nachlässt. Sollte dieser Fall eintreten, so kann es helfen, die Beine herunterhängen zu lassen.

 

Stadium 4:

Das Gewebe fault und stirbt wegen Sauerstoffmangel ab, wodurch es sich nach und nach schwärzlich verfärbt.

 

Raucherbein, dessen Gewebe allmählich abstirbt

Bevor dies geschieht, kommt es in dem betroffenen Bereich zu Gefühlslosigkeit, Entzündungen, Kältegefühl und Blässe. Ab diesem Stadium kann eine Amputation sinnvoll sein. 30.000 solcher Beinamputationen werden innerhalb eines Jahres allein in Deutschland vorgenommen. 

 

Die ersten Raucherbein Symptome erkennen

Leider werden die Symptome erst bemerkt, wenn die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist. Das ist meistens im 2. Stadium der pAVK der Fall.

 

Treten beim Gehen Schmerzen auf, die dich zum Anhalten zwingen, so könnte dies der erste Anhaltspunkt sein, ein Raucherbein zu haben.

 

Achte darauf, ob beim Stehenbleiben die Beschwerden wieder abklingen oder nicht. Damit kann man andere Ursachen der Schmerzen ausschließen.

 

Die ersten Anzeichen sind meist Schmerzen, die sich in der Wade, der Fußsohle, den Zehen, im Gesäß und im Oberschenkel bemerkbar machen. Oftmals sind diese Wahrnehmungen mit einem unangenehmen Kältegefühl gekoppelt.

 

Eine mangelnde Durchblutung kann aber auch rein optisch wahrgenommen werden.

 

Wenn man eine Hautveränderung feststellen kann, beispielsweise eine blasse Haut bei hochgelagerten Beinen oder eine rötende Färbung beim Senken, so sollten die Alarmglocken klingeln.

 

Weitere Anzeichen sind starke Verhornung der Fußsohlen, trockene Haut an betroffener Stelle, das Ausfallen der Beinbehaarung und die schlechte Wundheilung kleiner Wunden.

 

Betroffene Menschen berichten von sehr langsamen bis nicht wachsenden Fußnägeln. Auch der Farbwechsel ins gelbliche oder die Wölbung der Nägel sind unter den Erkrankten keine Seltenheit.

 

Krankheiten, welche das Erkennen der Symptome verhindern

Betroffene mit Diabetes mellitus und der daraus entstandenen Schädigung der Nerven haben eine gestörte Schmerzwahrnehmung.

 

Selbst bei einem weit fortgeschrittenen Stadium der pAVK können sie oftmals keine Symptome wahrnehmen. Die Diagnose erfolgt deshalb meist viel später und macht die Aussicht auf eine erfolgreiche Behandlung immer unwahrscheinlicher.

 

Was soll ich bei einem Verdacht unternehmen?

Selbst bei dem kleinsten Verdacht solltest du so schnell wie möglich einen Hausarzt aufsuchen. Vergiss nicht, dass selbst wenn du noch nie in deinem Leben eine Zigarette geraucht hast, die Möglichkeit besteht, an pAVK zu erkranken. Der Verschluss einer Arterie ist ein Notfall und sollte umgehend behandelt werden.

 

Bei starken Symptomen wie zum Beispiel starke Schmerzen in den Beinen, einem Kältegefühl oder die Verfärbung der Haut, sollte sogar der Notarzt gerufen werden.

 

 

Untersuchung und pAVK Diagnose

Beim Hausarzt wird deine Krankengeschichte erfasst. Du beschreibst deine Symptome und deren Schweregrad, sowie alle Veränderungen, die sich zugetragen haben. Es wird geschaut, ob du die Kriterien erfüllst, um eventuell an einem Raucherbein erkrankt zu sein.

 

Folgende Fragen könnten dir gestellt werden:

 

Mann hat ein Gespräch mit dem Arzt

-Rauchst du momentan oder hast es in der Vergangenheit getan?
 
-Falls dem so ist, wie viele Zigaretten hast du geraucht?
 
-Wie lange schon?
 
-Welche anderen Risikofaktoren
 neben dem Rauchen liegen vor?
 
-Hast du eine Zuckerkrankheit?
 
-Wird bei dir erhöhter Bluthochdruck erkannt?

 

Nach der Befragung wird nun die Haut an verdächtigen Stellen genauer untersucht. Es wird nach Anzeichen Ausschau gehalten, welche auf pAVK hindeuten könnten. Der Arzt achtet besonders auf abgestorbenes Gewebe und andere Hautdefekte.

 

Bei einer Pulsmessung der betroffenen Gliedmaßen können Rückschlüsse gezogen werden, ob Arterien verkalkt sind oder nicht.

 

Falls von den Gliedmaßen nur eins betroffen ist, so kann dies oftmals optisch erfasst werden. Die Muskulatur des kranken Beins wird nämlich nur unzureichend durchblutet, wodurch dieses im Gegensatz zu dem gesunden Bein einen wesentlich dünneren Eindruck macht.

 

Für eine genauere Analyse wird eine Ultraschalluntersuchung (Duplexsonografie) angestellt, wodurch die Durchblutung in den Gefäßen gemessen werden kann. Durch diese Methode lassen sich wichtige Hinweise auf eventuelle Engstellen gewinnen.

 

Der sogenannte Knöchel-Arm-Index wird dann bestimmt, sofern der Arzt ein Raucherbein vermutet. Hierbei wird am Oberarm und Unterschenkel eine Blutdruckmanschette angelegt. Bei einer Erkrankung in den Beinen wird der Blutdruck der Unterschenkelarterie durch den Druck der Oberarmarterie geteilt.

 

Bei einem Menschen ohne pAVK pendelt sich das Ergebnis zwischen 0,9-1,2 ein. Das liegt daran, dass der Blutdruck im Unterschenkel etwas höher ist als im Oberarm. Je fortgeschrittener das Raucherbein ist, desto geringer ist der Index-Wert.

 

1,2 - 0,9: keine pAVK
0,75 - 0,9: leichte pAVK
0,5-0,75: mittlere pAVK
kleiner als 0,5: Schwere pAVK

 

Nachdem der Arzt den Knöchel-Arm-Index ermittelt hat, kann eine Behandlung in Anspruch genommen werden.

 

 

Die pAVK Therapie

Die Therapie richtet sich in erster Linie nach dem Schweregrad der Krankheit und dem Stadium, an dem das Raucherbein diagnostiziert wurde.

 

Der Schlüssel zur erfolgreichen Genesung ist die Verbannung der Risikofaktoren. Der Patient muss aktiv Maßnahmen ergreifen, um den Körper zu unterstützen.

 

Mann zerschneidet Zigaretten

Mit dem Rauchen aufzuhören, ist eine der effektivsten Entscheidungen, die du in einem solchen Moment treffen kannst, um weitere Arterienverkalkungen zu vermeiden und die Regeneration zu fördern. Wer sich zudem gesund ernährt, sich regelmäßig bewegt und kontinuierlich seine Blutwerte überprüfen lässt, hat die besten Voraussetzungen auf Erfolg.

 

Ab dem 3. Stadium werden vom Arzt Medikamente verschrieben, welche die Fließkraft des Blutes verbessern können. Auch gehört ein regelmäßiges Gehtraining auf dem Tages-Programm der Patienten.

 

Bei diesem fortgeschrittenen Stadium ist der operative Eingriff leider ein notwendiges Übel. Die Länge und Lage der verengten Arterien sind dabei ausschlaggebende Faktoren für die Art der Operation.

 

Falls der Arzt feststellen muss, dass der Blutfluss zu stark gestört ist und die Gliedmaße abstirbt, so ist eine Amputation leider meist der letzte Ausweg.

 

 

Fazit

Wer sich diese schreckliche Krankheit ersparen will, sollte schnellstmöglich die richtigen Maßnahmen ergreifen.

 

Die Ursachen, die zu dieser Krankheit führen, können leicht vermieden werden. Wer sich gesund ernährt und regelmäßige Bewegung in den Alltag mit einfließen lässt, beugt der Erkrankung effizient vor.

 

Doch das hilft alles nichts, wenn man nicht auch bereit ist, mit dem Rauchen endgültig aufzuhören.

 

Viele Raucher gehen davon aus, sie würde eine periphere arterielle Verschlusskrankheit nicht treffen. Doch was macht sie so sicher darüber? 4,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden aktuell darunter. Weshalb sollte es dich nicht treffen können?

 

Schon bevor die ersten erkennbaren Symptome zu spüren sind, kann man an einem Raucherbein erkrankt sein. Keine Zigarette der Welt ist es wert, solche Qualen durchleben zu müssen.

 

Und selbst wenn du schon erkrankt bist, solltest du ins Handeln kommen und dich von der Nikotinsucht befreien. Damit schaffst du die besten Bedingungen für deinen Körper und hilfst ihm dabei, sich endlich zu regenerieren.

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